Zervixkarzinom

Die Inzidenz des Zervixkarzinoms variiert weltweit zwischen 3,6 (Finnland) und 45 (Kolumbien) pro 100000 Frauen pro Jahr. In Deutschland lag sie 1971 bei 35/ 100000 und im Jahre 2002 bei 13,3/100000.

Die Inzidenz des invasiven Zervixkarzinoms ist in Deutschland, gemessen an den Zahlen des Saarlandes, von 40,0/100000 1971 auf 14,1/100000 2004 zurückgegangen und die Mortalität von 8,0/100000 auf 4,6/100000 abgefallen.

Die Inzidenz der zervikalen Präkanzerosen liegt um das 100-fache höher. Damit dürfte in Deutschland die Inzidenz schwergradiger Präkanzerosen der Cervix uteri bei ca. 1% liegen. Daten aus Österreich zeigen, dass die Inzidenz zervikaler Präkanzerosen bei Frauen in der Altersgruppe zwischen 21 und 30 Jahren von 1985-89 im Vergleich zu 1980-84 signifikant um das 4-fache zugenommen hat. Eine ähnliche Tendenz wurde auch für eine Population in Deutschland beschrieben.

Nach Hochrechnung des Robert-Koch-Institutes (Berlin) erkrankten im Jahre 2002 6500 Frauen am Zervixkarzinom, über 1700 Frauen starben daran. Die Mortalität des Zervixkarzinoms betrug im Jahre 2002 30%. Das mittlere Alter bei Diagnosestellung liegt bei 52,2 Jahren. Die Altersverteilung zeigt einen ersten Gipfel zwischen 35 und 54 Jahren sowie einen weiteren ab 65 Jahren.

Das mittlere Alter bei der Erstdiagnose des Zervixkarzinoms hat sich in den letzten 25 Jahren um 14 Jahre verringert. Das verhornende (squamöse) oder nicht verhornende Plattenepithelkarzinom sowie das Adeno- oder adeno­squamöse Karzinom sind die häufigsten histologischen Typen. Bei ca. 80% der Fälle liegt ein Plattenepithelkarzinom vor, wobei sich allerdings der Anteil der Adenokarzinome in den letzten 25 Jahren von 10 auf über 20% erhöht hat. Ätiologisch ist für die Krebsentstehung eine Infektion mit high-risk humanen Papillomaviren (hauptsächlich die HPV-Typen 16, 18, 45, 31, 33, 58, 52, 35, 59, 56, 6, 51, 68, 39, 82, 73, 66 und 70) unabdingbar.

Weitere Faktoren wie Rauchen, genitale Infektionen, die Langzeiteinnahme von oralen Kontrazeptiva, hohe Parität sowie die Suppression des Immunsystems stehen in der Diskussion, bei High-risk-HPV-Infektion die Krebsentstehung zu fördern.

Grundlagen der Therapie

Die Verbesserung der Behandlung von Zervixkarzinomen wird an unserer Klinik seit vielen Jahren als Forschungsschwerpunkt gesehen und im Rahmen großer klinischer Studien erforscht.

Die Strahlentherapie stellt ein Eckpfeiler der heutige Therapie dar. Die Strahlentherapie wird einerseits primär durchgeführt d.h. ohne dass eine Resektion des Tumors zuvor erfolgte, oder sie wird nach einer Operation adjuvant  zur Verbesserung des Therapieerfolges eingesetzt.

Auf der Basis einer Vielzahl von in den letzten Jahrzehnten durchgeführten Studien hat sich für das Zervixkarzinome die kombinierte Radiochemotherapie (RCT) als Therapiestandard etabliert.

Meist wird daher die Bestrahlung in Kombination mit eine Chemotherapie durchgeführt. Auch postoperativ wird sie bei Vorhandensein prognostisch negativer Risikofaktoren eingesetzt.

undefinedTherapieleitlinien des Zervixkarzinoms

Behandlungsablauf

Erstgespräch

Bei dem Erstgespräch macht sich der Arzt anhand ihrer Angaben und den vorliegenden Befunden ein Bild über ihre Erkrankung. Er erstellt für sie ein individuelles Therapiekonzept und klärt sie Nutzen und Risiken dieser Behandlung, mögliche Alternativen, den Ablauf, empfehlenswerte Kombinationsbehandlungen, sinnvolle Begleittherapien und spezifische Nachsorgeuntersuchungen auf.

Planungs- Computertomographie

An einem weiteren Termin wird dann eine Planungs-Computertomographie üblicherweise in Rückenlage durchgeführt. Anhand dieser dreidimensionalen Bildgebung werden durch den Arzt die Zielvolumina und Risikoorgane definiert. Sollten weitere bildgebende Untersuchungen  wie Kernspintomographie (MRT) oder die Positronenemissionstomographie (PET) notwendig sein, können diese ebenfalls via Bildfusion in den Planungsvorgang einbezogen werden. Im Anschluss berechnet der Physiker anhand dieser Vorgaben die optimale Bestrahlungstechnik und ermittelt die individuelle Dosisverteilung. Anhand dieser Dosisverteilung begutachtet der Arzt die Dosis im Tumor und in den Risikoorganen und gibt die Bestrahlung bei einem optimalen Ergebnis frei.  

Erste Bestrahlung

Einige Tage später nach Fertigstellung des individuelle Bestrahlungsplanes erfolgt die Bestrahlung am Bestrahlungsgerät. Die MTRA positioniert den Patienten mit der Bestrahlungsmaske entsprechend der Lage im Planungs-CT in Rückenlage. Bei der ersten Bestrahlung werden am Bestrahlungsgerät noch einmal alle Parameter der neuen Bestrahlungsserie überprüft. Daher dauert diese 1. Einstellung längen als die folgenden Bestrahlungsitzungen. Üblicherweise dauert eine 1. Einstellung ca. 20-30 Minuten, die weiteren Bestrahlungen benötigen mit ca. 10-15 Minuten deutlich weniger Zeit. Während einer Sitzung wird meist aus mehreren Richtungen nacheinander bestrahlt, wobei die Neuausrichtung des Gerätes hier die meiste Zeit verlangt, die reine Strahlzeit nimmt tatsächlich meist davon nur 1-2 Minuten in Anspruch. In unserer Klink setzen wir hier im verstärkten Maße auf die neue Tomotherapie Bestrahlungstechnik und erhoffen uns hier eine deutlich effektiver Bestrahlung mit genauerer Tumorerfassung und weniger Dosisbelastung für Risikoorgane.

Bestrahlungsserie

Abhängig von der Therapiekonstellation (definitiv oder palliativ) kann eine Bestrahlungsserie insgesamt mehrere Wochen dauern. Regelhaft erfolgt die Bestrahlung Montag bis Freitag also 5 mal pro Woche, mit zumeist  einer, gelegentlich aber auch zwei Bestrahlungssitzungen (Fraktionen)  im Abstand von 6-8 Stunden pro Tag. Die Therapie ist weitgehend ambulant möglich, so daß tägliche Fahrten zur Klinik erforderlich sind welche als Serienfahrten zur Bestrahlung von der Krankenkasse übernommen werden.

Afterloding - Bestrahlung

Insbesondere bei der Behandlung des Zervixkarzinoms wird die Bestrahlung von aussen (perkutane Radiatio) oft mit einer Bestrahlung von innen (HDR Brachytherapie - Afterloading) kombiniert. Hierbei wird ein bis zweimal pro Woche  an insgesamt 2-5 Tagen ein Strahler in die Vagina oder den Muttermund eingeführt, um lokal am Ort des primären Tumors eine höhere Dosis zu erreichen.  Diese  Bestrahlung wird gegebenfalls in lokaler Narkose durchgeführt. Üblicherweise erfolgt hierzu eine stationäre Aufnahme.

Stationäre Behandlung

Regelhaft erfolgt zur Bestrahlung eine Chemotherapie, die normalerweise einmal pro Woche gegeben wird. Üblicherweise ist hierzu eine stationäre Behandlung erforderlich. Hierfür stehen am Campus Virchow-Klinikum (CVK) die Station W61 und 14b unserer Klinik mit insgesamt 40 Betten zur Verfügung. Es je nach Therapieschema (Chemotherapie und Afterloading s.o.) auch zu wiederholten Aufnahmen und Entlassungen kommen. Da für jede Aufnahme regelhaft eine Einweisung und Kostenübernahmebestätigung durch die Krankenkasse notwendig ist, empfehlen wir in einem solchen Falle die Beschaffung einer Dauerkostenübernahme für die Gesamttherapie durch die Krankenkasse.

Nebenwirkungen der Behandlung

Im wesentlichen sind die Nebenwirkung einer Strahlentherapie in der Beckenregion mit modernen Bestrahlungstechniken und Supportivmaßnahmen gut zu beherrschen. Teilweise muss man jedoch gerade in Kombination mit der Chemotherapie mit Nebenwirkungen rechnen. Im wesentlichen hängt dies von der Intensität der angewandten Therapieform und der individuel unterschiedlichen Empfindlichkeit der Patientin ab. Die Strahlenempfindlichkeit der Schleimhäute im Darm und Genitalbereich sind für die wichtigen Nebenwirkungen verantwortlich. Nach einer Zeitspanne von 1-2 Wochen beginnen viele Patientin unter leichten Durchfällen, Übelkeit und lokalen Entzündungen zu leiden. Im Zusammenhang mit der Chemotherapie kann die Übelkeit verstärkt werden. Eine gute lokale Pflege und medikamentöse Supportion kann diese oft unvermeidlichen Nebenwirkung deutlich erträglicher gestalten.

Kontakt:

Hochschulambulanz
t: +49 30 450 557 088
Privatsprechstunde Prof. Dr. Volker Budach
t: +49 30 450 527 112
Station 61
t: +49 30 450 557 134
MVZ Virchow
t: +49 30 450 550 712

MVZ CCM
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